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Agrobiodiversität: Vielfalt vor Leistung

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Agrobiodiversität: Vielfalt vor Leistung

Quelle: © Slow Food/Stefan Abtmeyer
Petersilie auf dem Viktualienmarkt in Köln

In der Agrarindustrie setzen die Betriebe bisher vorwiegend auf Nutztiere und Nutzpflanzen, die hohe Erträge sichern. Durch die Züchtung bestimmter Leistungsmerkmale bei den Nahrungsspendern entstehen allerdings auch Nachteile: Pflanzen und Tiere werden anfällig für Krankheiten und sind der Natur nicht mehr optimal angepasst. Sie dienen nur noch industriellen Vorgaben. Dies hat auch ökonomische Folgen: Mit Pestiziden und Antibiotika müssen die Folgen der Überzüchtung bekämpft werden. So entsteht aus einem vermeintlichen Vorteil ein gravierender Nachteil, auch für die Verbraucher, die mit belasteten Lebensmitteln umgehen müssen. Ein Umdenken in der Produktion scheint deshalb dringend erforderlich.

Verbände und Politiker machen schon Vorschläge für verbesserte Verfahrensweisen und fördern die Erhaltung alter, robuster Arten und Sorten in der Landwirtschaft. Im Jahre 2010 wurde das Jahr der Biodiversität ausgerufen. Diesem Trend kommt auch ein neues Verbraucherverhalten entgegen: Die „Bio“-Bewegung im Nahrungsmittelsektor boomt. Konsumenten wünschen sich eine größere Vielfalt und bessere Qualität. Dafür sind sie auch bereit, mehr zu zahlen. In der breiten Masse ist dieses neue Qualitätsbewusstsein aber noch nicht voll angekommen. Da zählt immer noch der niedrige Preis - Qualität ist Nebensache. Für Aufklärung sorgt auch die SlowFood-Bewegung, die bezahlbaren Genuss über saisonal angepasste und lokal erzeugte Produkte fordert.

Die Vielfalt der Tierrassen und Pflanzensorten im Nutzbereich entstand über Tausende von Jahren. Die besonders geeigneten Nahrungsspender waren in den verschiedenen Regionen unterschiedlichen Gegebenheiten der Natur ausgesetzt. Durch die Anpassung an diese Rahmenbedingungen entwickelten sich auch verschiedene Eigenschaften. Früher stand die mehrfache Nutzung und Robustheit im Vordergrund. Im Zuge der Industrialisierung und dem Versorgungszwang für die wachsenden Städte verlegten sich die Betriebe auf Hochleistungsträger in der Produktion, die dann die bekannten Anfälligkeiten zeigten. Die Monokulturen haben noch einen weiteren Nachteil: Das ökologische Gleichgewicht mit der Natur im Umfeld der Landwirtschaften ist gefährdet. Die Rückkehr zu einer, auf Diversität und Umweltverträglichkeit basierenden Produktion erscheint also insgesamt vorteilhaft.

Drei Sorten Roggen beherrschen heute 95 Prozent der Ernte. Zwei Rassen dominieren 90 Prozent beim Milchvieh. Was kann getan werden? Es gibt drei Vorgehensweisen: In Instituten und Botanischen Gärten werden die aussterbenden Arten erhalten und gelagert, damit sie bei Bedarf wieder in die überzüchteten Sorten eingekreuzt werden können, um so für Robustheit zu sorgen. Dann werden landwirtschaftliche Betriebe angehalten, für weniger ertragreiche Sorten Anbaufläche zu reservieren, damit diese erhalten werden können. Schließlich kann man die Vielfalt auch bewahren, indem diese Lebewesen sich außerhalb der Landwirtschaft in ihrer natürlich Umgebung vermehren können.

Auch die Verbraucher (oder „Co-Produzenten“, wie es die SlowFood-Bewegung nennt) tragen mit bewussten Verhalten zu einer Verbesserung der Situation bei. Indem sie mehr auf Qualität achten und regionale Produkte nachfragen, wird die Industrie mit einem Angebot von größerer Vielfalt reagieren und damit auch der Natur einen längst schuldigen Dienst erweisen.

Ralph M. Bloemer, InterMopro.de